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Im Verlauf der Arbeit unterteilte ich das Stück in verschiedene Sequenzen, analysierte diese und entwickelte, sowie testete mögliche Entwürfe. Dieses geschah immer unter der Prämisse der Umsetzbarkeit im Rahmen der doch relativ engen Vorgaben. Letztlich entstanden mehrere Sequenzen, die zusammen eine geschlossene Arbeit in Dramaturgie und Gestaltung bildeten.
In der Ausgangssituation der ersten Sequenz ist die Bühne abgedunkelt, beide Tänzerinnen befinden sich hinter der Plattform, die mit Hilfe einer hydraulischen Hebebühne am freien Schwingen gehindert wird.

Das Stück beginnt mit dem langsamen Erkunden der Plattform durch die Tänzerinnen, erst sind nur die Hände zu sehen, dann die Arme, schließlich auch die Köpfe und letztlich befinden sich beide Körper auf der Plattform. Das Ertasten und Entdecken der Plattform wird von einer sich langsam entwickelnden wabernden Struktur aus scheinbar losen Dreiecken begleitet. Diese Struktur startet von der Position, an der die Hände der Tänzerinnen zum ersten Mal die Plattform berühren und breitet sich dann synchron zu den Bewegungen der Tänzerinnen aus. Immer wieder entstehen und verschwinden sich überlagernde Dreiecke. Bis die Tänzerinnen die Mitte der Plattform erreichen, werden sie ausschließlich durch die Projektion beleuchtet. Es entsteht ein Wechselspiel aus Licht und Schatten, durch welches die Umrisse der Tänzerinnen für den Zuschauer nur schemenhaft zu erkennen sind. Hin und wieder lässt sich eine Hand, ein Kopf oder eine Schulter erahnen. Dieser Effekt wird vor allem durch die ungewohnte Fortbewegungsart der Tänzerinnen und deren Körperhaltung unterstützt.

Nach etwa zwei Minuten wird langsam das Gassenlicht dazugegeben, wodurch sich die Konturen der Tänzerinnen allmählich von der Plattform abgrenzen und somit für den Zuschauer deutlicher werden. Zur Erzeugung einer weiteren Ebene wird über einen Zeitraum von sieben bis acht Minuten der Leuchtstoff unterhalb der Plattform dazu gegeben. Dieser Fade-In wird erst in der folgenden Sequenz beendet und bildet einen von der Sequenzfolge der Projektion unabhängigen Strang. Diese Gleichzeitigkeit verschiedener Vorgänge dient einem fließenden Verlauf der Inszenierung.

Sobald die Tänzerinnen ihre Zielposition für diese Se-quenz erreicht haben (eine Tänzerin am Seil vorne links die andere hinten rechts), wird die Lichtintensität der Gassen nochmals angehoben, wodurch dies zum Führungslicht der Tänzerinnen wird. Die Projektion ist folglich nicht mehr oder nur noch leicht auf den Tänzerinnen zu sehen. Die direkte Verbindung von Projektion und Tänzerinnen wird aufgehoben und die Projektion verbleibt als Abdruck der vergangenen Bewegung.

Diese Sequenz wird zum größten Teil von einer basslastigen Geräuschkulisse aus knisternden und kna-ckenden Störsignalen dominiert, die eine gewisse Rhythmik aber keinerlei Melodie aufweisen. Zu Beginn der Sequenz gibt es eine kurze Melodie aus einer Abfolge von Tönen aus dem Frequenzbereich der hohen Mitten, belegt mit einem sehr starken Hall- und Echoeffekt. Dieses dominante Wummern der Geräuschkulisse lässt sich im Wabern der Projektion (durch das Ein- und Ausfaden der einzelnen Flächen) wieder finden.

Anfänglich ist diese Sequenz durch eine starke Verbindung zwischen Tänzerinnen und Projektion geprägt, bei der die Projektion dominant wirkt, während die Tänzerinnen nur ein Teil von ihr sind. Dennoch ist nicht eindeutig erkennbar, ob die Projektion den Bewegungen der Tänzerinnen folgt oder anders herum. Im Verlauf dieser Sequenz werden die Tänzerinnen von der Projektion abgetrennt und diese verbleibt als Abdruck des Weges. Zum Ende der Sequenz separieren sich drei Ebenen auf der Bühne: die Tänzerinnen, die Projektion und die Plattform auf der Bühne.

Beim Einsatz des Gassenlichts in dieser Sequenz ist ein sensibler Umgang erforderlich. Ein langsamer, weniger starker Einsatz kann eine ausgeprägte Spannungskurve und ein reizvolles Entdecken erzeugen. Werden jedoch die Tänzerinnen zulange im Dunklen gelassen, könnte dies eine Ermüdung oder Resignation beim Zuschauer hervorrufen aber vor allem wäre es kontraproduktiv zum Tanz.

In einem nächsten Arbeitsschritt müsste die Form der Struktur nun den Bewegungen der Tänzerinnen genauer angepasst werden. Insbesondere die derzeitige quadratische Form der Struktur müsste aufgebrochen und zu einer möglichst organischen Form verändert werden.
Zu Beginn der zweiten Sequenz liegen beide Tänzerinnen auf der Plattform (eine der beiden am vorderen linken Seil, die andere hinten rechts). Die Gassenscheinwerfer haben ihre Zielhelligkeit erreicht und die Bodenbeleuchtung befindet sich im Fade-In. Die zweite Sequenz bestehend aus zwei aufeinander folgenden Teilen, wird innerhalb von 10 Sekunden initialisiert und eingefadet. Gleichzeitig wird die erste Sequenz in 30 Sekunden ausgefadet.

Die zweite Sequenz besteht aus leicht unscharfen netzwerkartigen Linienstrukturen, die sich von einem bestimmten Punkt zu anderen Punkten ausbreiten und sich dann wieder zusammenziehen. Diese Bewegung hat im Gegensatz zur ersten Sequenz keine direkte Verbindung zu den Bewegungen der Tänzerinnen; sie bilden vielmehr eine eigene Ebene. Während sich die Tänzerinnen erkundend, mit den Füßen voran, die Seile hoch bewegen, erkundet die projizierte Struktur die Fläche.

Im ersten Teil der zweiten Sequenz beginnt die Linienstruktur ausgehend von den beiden Seilen, an denen sich die Tänzerinnen befinden. Sie breitet sich in Richtung der beiden freien Seile aus. Zeitweise entsteht eine quadratische Form, die beide Tänzerinnen verbindet. Dieses symmetrische Bild besteht aus den beiden Tänzerinnen am Seil, der quadratischen projizierten Fläche und der quadratischen physischen Plattform (vom Boden abgegrenzt durch die Bodenbeleuchtung). Sobald sich beide Tänzerinnen vom Seil lösen und langsam davon weg bewegen, beginnt sich dieses Bild aufzulösen. Mit diesem Cue (Einsatz der Tänzerinnen) beginnt die Linienstruktur gleichzeitig mit der Abtrennung von ihren Ausgangspunkten und zieht sich an ihren Zielpunkten zusammen. Begleitet wird diese Entwicklung von einem Wechsel in der Musik; die Geräuschkulisse aus basslastigem Wummern und Knacken wird ausgefadet. Es beginnt eine arhythmische Klang-Collage aus Sinuskurven und verschiedenen anderen stark hallenden und mit Echo-Effekten belegten Synthesizersounds.

Vor der Auflösung der Linienstrukturen an ihren Zielpunkten beginnt der zweite Teil, in dem sich die Struktur ausgehend von der Zielposition des ersten Teils in Richtung des Mittelpunkts der Plattform bewegt. In diesem Teil separiert die Struktur die nun von den Seilen gelösten, frei im Raum verbleibenden Tänzerinnen.

Die hydraulische Hebebühne, die sich unterhalb der Plattform befindet, wird hierbei heruntergefahren, wodurch die Plattform durch die Impulse des Tanzes zu schwingen beginnt. Die Linienstruktur zieht sich in der Mitte zusammen, bevor sie mit der dritten Sequenz überblendet wird.

Die zweite Sequenz ist die grafisch am schwächsten ausgearbeitete Sequenz. Weder die Farbzusammensetzung noch das Verhalten und die Kontur der Struktur waren zufriedenstellend. Nach diesen ersten Versuchen unter Realbedingungen erschien es mir fraglich, ob ein derart starker Bruch in der Ästhetik, selbst nach einer besseren Ausarbeitung, funktionieren würde. Sinnvoller erscheint es mir gewisse Qualitäten der vorangegangenen und folgenden Sequenzen in diesen Abschnitt einfließen zulassen, um ein homogeneres Zusammenspiel der gesamten Komposition zu erreichen.
In der dritten Sequenz befindet sich die Plattform im Gegensatz zu den vorangegangen Sequenzen in einer Schwingbewegung. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die Plattform mit Hilfe einer hydraulischen Hebebühne fixiert. Nun befindet sich eine der beiden Tänzerinnen auf der linken Seite der Plattform und die andere mittig im hinteren Teil der Plattform. Die Linienstruktur der zweiten Sequenz hat sich bereits auf dem Mittelpunkt der Plattform zusammengezogen und wird innerhalb von 30 Sekunden ausgefadet. Gleichzeitig wird die dritte Sequenz initialisiert.

Diese Sequenz besteht aus einem deutlich erkennbaren, leicht verzerrten Triangle Mesh. Zu Beginn ist ein einziges Dreieck in der Mitte der Plattform zu sehen; allmählich kommen direkt angrenzende Dreiecke hinzu. Die Struktur breitet sich nach dem Verhaltensmuster einer Flüssigkeit auf der Plattform aus, Geschwindigkeit und Richtung sind abhängig von der Bewegung der Plattform.

Anfangs schwingt die Plattform leicht. Nach kurzer Zeit begeben sich die Tänzerinnen je eine zur linken und eine zur rechten Kante der Plattform. Sie setzen sich, berühren gelegentlich die Bühne und stoßen sich dann vom Boden ab, somit erhält die Plattform mehr Schwung und die Struktur breitet sich weiter aus.
Die Tänzerin auf der linken Seite verlässt die Plattform und folgt nun der Bewegung der Plattform. Mit dem Verlassen der Plattform beginnt eine Wellen-bewegung, die sich durch die projizierte Struktur zieht. Die Wellen laufen von links nach rechts durch die Struktur und haben eine breite Ausdehnung.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt startet die Musik mit einem Rhythmus, kurz darauf setzt ein lauter Beat ein. Mit dem Einsetzen des Beats fadet das Gegenlicht für die gesamte Fläche ein. Dieser FadeIn dauert ca. drei Minuten, synchron dazu wird die bis dahin blaue Struktur langsam heller und schließlich weiß. Kurz nach dem Beginn dieser Vorgänge begibt sich die Tänzerin der linken Seite wieder auf die Plattform und rollt sich in Richtung der Mitte.

Diese Sequenz beinhaltet einen starken Anstieg der Dynamik in allen Bereichen, es wird heller, die Bewegungsgeschwindigkeit nimmt zu und die Lautstärke der Musik steigt an. Die Projektion orientiert sich sehr stark daran und erfüllt diese Vorgabe einerseits durch eine reaktive Verhaltensweise und andererseits durch das Initialisieren von Erweiterungen bzw. Veränderungen an markanten Stellen.
In der vierten Sequenz verzichtete ich auf den Einsatz von Projektion und nutzte alternativ ein System aus neun Scheinwerfern, die oberhalb der Plattform, quer nebeneinander, angebracht waren. Dieses Scheinwerfersystem wurde ausgehend von meiner Computerapplikation kontrolliert und auf die Weise gesteuert, dass immer derjenige Scheinwerfer leuchtete, der sich zu diesem Zeitpunkt über dem Mittelpunkt der schwingenden Plattform befand. Dieses neue Medium gab mir die Möglichkeit mit einer Lichtqualität und -Intensität zu arbeiten, die die Projektion nicht erreichen konnte. Scheinwerfer sind im Allgemeinen wesentlich heller als Projektoren. Die von mir genutzten Scheinwerfer wurden mit einem leichten Frost-Filter (Defuser) bestückt. Ein Frost ist ein farbloser Filter, der das Licht des Scheinwerfers unschärfer und weicher macht; Kanten und Ränder werden verwischt. Im Gegensatz dazu ist das Licht eines Projektors hart und bildet scharfe Kanten; selbst wenn die projizierte Grafik unscharf oder als Verlauf angelegt ist, ändert dies nichts an der Eigenschaft des Lichtes.

Insbesondere diese soeben beschriebene, neue mögliche Intensität des Lichtes korrespondierte mit der ansteigenden Dynamik der Inszenierung. Zu Beginn der vierten Sequenz bewegt sich eine der Tänzerinnen langsam zur Mitte der Plattform, während die zweite Tänzerin sich außerhalb der Plattform befindet und diese immer wieder und immer stärker anstößt. Sie befindet sich im Wechselspiel zwischen einem Zurückweichen und einer progressiven Kontaktsuche mit der Plattform. Dieser Prozess steigert sich mit der Zeit und die Plattform schlägt hierbei bis zu zwei Meter in alle Richtungen aus. Synchron dazu steigt die Intensität des reaktiven Scheinwerfersystems an; das System wird zum Führungslicht. Die Projektion sowie die linken Gassenscheinwerfer werden ausgefadet. Das Beleuchten der Tänzerin jenseits der Plattform wird reduziert, in dem nur von einer Seite geleuchtet wird. Dies führt zu einer höheren Dynamik in der Bewegung und unterstreicht gleichsam die größer werdenden Bewegungen der Tänzerin.

Etwa zwei Minuten vor dem Ende der Sequenz beginnt sich die Tänzerin auf der Plattform aufzurichten; das Licht folgt dieser Fokussierung und beginnt das flächige Gegenlicht sowie das rechte Gassenlicht auszufaden. Die Tänzerin hinter der Plattform rückt somit in den Hintergrund und das Licht konzentriert sich langsam auf die sich aufrichtende Tänzerin. In der letzten Aktion der Inszenierung setzt sich die außenstehende Tänzerin auf die Kante der Plattform. Während die Plattform ausschwingt, steht die andere Tänzerin in deren Mitte und das reaktive Scheinwerfersystem fadet innerhalb von 20 Sekunden aus. Der Leuchtstoff unterhalb der Plattform verbleibt als ein- zige Lichtquelle und dokumentiert die Bewegung der Plattform; beide Tänzerinnen sind nicht mehr zu sehen. Ein mögliches Ende wäre ein gleichzeitiges Ausschalten der Musik und des Leuchtstoffes (black), eine andere Alternative könnte ein Ausfaden innerhalb von 5–10 Sekunden sein.

Die Möglichkeiten, die das Arbeiten mit einem reaktiven Scheinwerfersystem bieten, wurden in dieser Sequenz skizziert, jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. In diesem Setup konnte ich die Wirkungen bei veränderter Lichtintensität, die Breite des Lichtkegels und die Geschwindigkeit des Ein- und Ausfadens der einzelnen Scheinwerfer austesten. Weiterführend wäre interessant die Scheinwerfer auf die Weise einzurichten, dass der Einfluss auf die Schattenbildung der Tänzerinnen maximiert wird. Somit könnte die Wirkung von bewegungsunterstützenden oder entgegenwirkenden Schatten getestet werden.

Des Weiteren war der Wechsel von Projektion und Scheinwerfer als Medium vor allem pragmatischer Natur: Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Kamera und Projektion Schwierigkeiten beim latenz-freien, fließenden Folgen der schnellen Bewegung der Plattform haben würden. Das Steuern der Scheinwerfer erforderte hingegen keine genaue Erfassung der Plattform. Gemäß dem Fall, dass die Kamera die LED-Cluster durch die entstehende Bewegungsunschärfe nicht mehr erfassen könnte, wäre eine Nachverfolgung von Hand mit Hilfe eines Faders oder der Maus denkbar.